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Tausende Flugkilometer und elf Zeitzonen liegen hinter uns, als die Maschine der Siberian Airlines endlich zur Landung in Petropawlowsk-Kamtschatski ansetzt. Die Wahrzeichen der Halbinsel im äußersten Osten Russlands sind schon von Weitem zu erkennen: Majestätisch thronen die Vulkane über der menschenleeren Wildnis. Wir sind hier im Zentrum des Pazifischen Feuerrings, wie Geowissenschaftler den Gürtel aus Vulkanen bezeichnen, der den Pazifischen Ozean umgibt. Kamtschatka ist noch sehr jung, zumindest in erdgeschichtlichen Zeiträumen gemessen. Erst seit etwa zwei Millionen Jahren sind hier die gewaltigen Kräfte am Werk, die das Land immer wieder neu formen und verändern.

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Die faszinierende Halbinsel, die neben aktiven Vulkanen auch den mächtigen Kamtschatka-Bären beheimatet, zieht jedes Jahr in den Sommermonaten Naturliebhaber aus aller Welt an. Doch das war nicht immer so. Erst seit 1990 ist die Halbinsel für Touristen zugänglich. Über 50 Jahre lang war sie aufgrund ihrer Nähe zu den USA militärisches Sperrgebiet. Mittlerweile wurden Teile Kamtschatkas zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt. Die Fortbewegung in dem dünn besiedelten Vulkanland ist nicht ganz unkompliziert. Noch immer benötigt man als Tourist in vielen Regionen spezielle Passierscheine. Asphaltierte Straßen sind Mangelware und anfänglich ganz brauchbare Schotterpisten enden allzu oft in einem Chaos aus Schlamm, Dickicht und reißenden Flüssen. Die überwiegende Mehrheit der Touristen erkundet das Land deshalb unter Führung lokaler Veranstalter, deren ortskundige Fahrer auch unzugängliche Orte mit ihren geländetauglichen Ural und Kamaz Lkw ansteuern.

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In der Hauptstadt treffen Vergangenheit auf Moderne, marode Sowjetarchitektur auf glitzernde Einkaufszentren und antike russische Geländewagen auf neuste Importe aus dem nahen Japan. Hier treffen wir auch Dmitry „Dima“ Gapolenko, Co-Organisator des Offroad-Vereins „Escudokam“ und Kopf des „Suzuki Escudo Team Kamchatka“. Dima hat seinen Vereinskollegen Oleg Sutkaitis mitgebracht. Die beiden wollen uns mitnehmen auf ihre 700 km lange Reise nach Norden – mitten ins Herz von Kamtschatka. Ziel ist der Vulkan Tolbachik, der seit Dezember 2012 wieder aktiv ist und Feuer spuckt. Der 38-jährige Dima, der im bürgerlichen Leben ein Unternehmen für Reinigungstechnik führt, verbringt seine Freizeit am liebsten hinter dem Steuer seines Suzuki Escudo. Immer einen flotten Spruch auf den Lippen, kennt er sich auf den Pisten Kamtschatkas bestens aus.

 

Erschienen in der Ausgabe 12/2013 der Zeitschrift Off Road

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© Christian Martischius & Sara Sun Hee Martischius