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Mehr als 30 Prozent der weltweit kommerziell gefangenen Lachse gehen den Fischern in russischen Gewässern ins Netz – ein milliardenschweres Geschäft. Die Halbinsel Kamtschatka im äußersten Nordosten Russlands nimmt dabei eine besondere Rolle ein – von hier kommt rund die Hälfte des russischen Lachses. Nach Angaben von WWF und anderen NGOs werden aber nur etwa 50 Prozent der Gewinne auf legale Weise erwirtschaftet. Die Problematik des illegalen Fischfangs ist dabei so vielschichtig wie die beteiligten Akteure.

© Christian Martischius & Sara Sun Hee Martischius

 

Fangflotte im Hafen von Petropavlovsk-Kamchatsky, der Hauptstadt Kamtschatkas. Neben dem kontrovers diskutierten Fischfang mit Langleinen kommen auch immer noch die höchst umstrittenen Treibnetze zum Einsatz.

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Neben der russischen Fangflotte fischen auch Schiffe unter ausländischer Flagge, allen voran Japan, in russischen Gewässern. Die Fangzahlen der ausländischen Schiffe tauchen in kaum einer Statistik auf, die Anzahl der illegal gefangenen Fische ist hoch.

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Dieses Schiff, das mit Treibnetzen und Langleinen fischt, wurde mehrfach des illegalen Fischfangs überführt. 2011 waren die Fangzahlen manipuliert und 2012 wurde mehr als eine halbe Tonne illegaler roter Kaviar an Bord gefunden. In beiden Fällen wurden Strafen in unbekannter Höhe verhängt. Eine Ausnahme – meistens kommen die Wilderer in dem System aus Korruption und Untätigkeit ungeschoren davon.

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Frachtschiffe dieser Art, mit einer Kapazität von 5000 Tonnen und mehr, werden typischerweise in Petropavlovsk-Kamchatsky beladen und steuern Südkorea, China oder Vladivostok an. Sie transportieren den Fang verschiedener Fischereigesellschaften, häufig auch Produkte aus illegaler Fischerei, die aber kaum zurückverfolgbar sind.

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Der kommerzielle Lachsfang in den fischreichen Flüssen spielt eine ebenso wichtige Rolle wie der industrielle Fischfang auf See. Hier werden gerade Hundslachs und Silberlachs am Bolshaya Fluss verladen.

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Der Bolshaya River ist ein besonderer Fluss. In kaum einem anderen Fluss kommen wie hier alle sieben heimischen Lachsarten vor.

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Wilderei ist auf den Flüssen Kamtschatkas weit verbreitet. Ganze Landstriche leben von dieser „Wirtschaft innerhalb der Wirtschaft“. Der Fischer links im Bild wurde beim Wildern erwischt und hat darauf hin seine Lizenz verloren.

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Die Beamten gehören zur russischen Behörde EMERCOM. Zu ihren Aufgaben gehört die Kontrolle kleinerer Schiffe und das Vorgehen gegen Wilderer. Dank der alltäglichen Korruption und des geringen Budgets für Treibstoff und andere Ausrüstung sind die Erfolge bescheiden.

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Viele Wilderer haben es auf den roten Kaviar abgesehen. Häufig werden dabei ausschließlich die Fischeier entnommen und die Fische verderben. Bedingt durch die vergleichsweise geringen Fangmengen 2013 sind die Kaviarpreise in den letzten Monaten um bis zu 70 Prozent gestiegen.

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Deutlich effektiver als die, häufig ins System der Wilderei eingebundenen Behörden, arbeiten unabhängige Organisationen wie „сохраним лососей вместе“ (Gemeinsam den Lachs bewahren) . Die Naturschützer dokumentieren die vielen Fälle von Wilderei auf dem Bolshaya Fluss und erschweren durch ihre Präsenz die Arbeit der Wilderer mit scheinbar großem Erfolg. In der Regel verfolgen sie den Sprechfunk der Wilderer, um dann gezielt vorzugehen. Unterstützung erhalten sie von verschiedenen NGOs, wie WWF und Wild Salmon Center.

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Die jungen Männer von „сохраним лососей вместе“ (gemeinsam den Lachs bewahren) wohnen während der Lachs Saison in Containern direkt am Fluss. Hier gibt es nur das Nötigste.

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Einmal im Jahr findet ein Festival mit internationalem Angelwettbewerb statt. Die Erlöse gehen an die Wildhüter und werden dringend benötigt, um Treibstoff für die Boote und andere wichtige Ausrüstung zu beschaffen.

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Auch der WWF ist auf dem Festival präsent. Hier erklärt der Leiter des WWF Büros in Kamtschatka, Sergey Rafanov die Unterschiede der verschiedenen Lachsarten.

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Der WWF arbeitet in Kamtschatka in unterschiedlichen Bereichen. Schutz und Erhalt der Lachsbestände und ihres Lebensraumes sind wichtige Themen für die fünf Mitarbeiter der NGO in Kamtschatka.

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Ein WWF Mitarbeiter auf Tauchgang in der Avaca Bucht. In dieser Bucht liegt auch Petropavlovsk-Kamchatsky mit dem wichtigsten Hafen der Halbinsel. Das Wasser der Bucht ist durch Schiffswracks und den regen Schiffsverkehr mit Schadstoffen belastet.Kamchatka_Cruise 20130810 DSC_6776

Lachse sind nicht die einzigen Meeresbewohner, die von der Wilderei betroffen sind. Die Königskrabbe zum Beispiel (der große Bruder der hier abgebildeten Helmet Crab), wird häufig illegal in den Gewässern um Kamtschatka gefangen und dann über Korea in die USA transportiert. Dort untergraben die Preise der illegal eingeführten Krabben den Markt und gefährden die heimischen Fischer.

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